Statements zur IWPZ 2016

Vom 26. bis zum 29. Juli haben im Technopark Zürich rund 150 Fachleute aus Forschung, Produktion und  Handel mehr als 2200 Weine beurteilt und bewertet. Nach Abschluss der Degustation haben Mitglieder der Jury über ihre Erfahrungen berichtet:

Susanne Bader

«Die doch noch sehr jungen Rotweine des Jahrgangs 2015 waren nicht einfach zu beurteilen und hatten es schwerer zu überzeugen als die älteren. Zumindest kellertechnisch überzeugten jedoch die meisten Proben. Insgesamt machten wir kaum Fehler aus.»


Christoph Bürki

«Früher, das heisst in den 90er Jahren, wurden neben guten und sehr guten Weinen immer wieder auch recht zahlreiche fehlerhafte Weine ins Rennen geschickt. Heute sind fehlerhafte Muster eher selten. Dafür kommen mir viele «gemacht» daher. Sie sind zwar perfekt, aber es fehlt ihnen die Seele und sie lösen darum nichts aus. Dies erschwert die Beurteilung.
Früher gab es diesen Main-Stream, der alles dominiert, nicht. Dafür einige Persönlichkeiten, die sich eindeutiger in Szene setzten als heute.»


Jo Frei

«Wir degustierten sehr viele Rotweine aus der Neuen Welt, die sich in einem guten Durchschnitt bewegten, aber kaum von der Mitte abhoben. Auch nach unten gab es keine echten Ausreisser. Dies erleichterte die Beurteilung nicht. Vielmehr kam es innerhalb unserer Jury-Gruppe immer wieder zu spannenden Diskussionen. – Trotz der hohen professionellen Ansprüche gelingt es natürlich auch Fach-Degustatoren nicht immer, einem gewissen Hedonismus zu widerstehen.»


Jürg Gafner

«Unsere Gruppe hat über 70 Schweizer Rotweine degustiert, grösstenteils Pinot noir. Die Qualität ist im Laufe der letzten Jahre zunehmend besser geworden. Es gab insbesondere immer weniger fehlerhafte Proben. So dieses Jahr beispielsweise nur vier mit Böckser und je zwei mit Bret und Äthylacetat. – Mich stört sehr, dass die hohe Qualität der einheimischen Pinots nicht von allen Degustatoren die verdiente Wertschätzung erhielt.»


Stefan Graf

«In den Anfängen der IWPZ, als die Weine noch von Dreier-Equipen beurteilt wurden, hat weitgehend der Chef über Gold und Silber entschieden. Heute, in den Fünfer-Teams, wird ruhiger und professioneller gearbeitet – was auch nötig ist, da die Anforderungen an die Degustatoren enorm gestiegen sind. Dies nicht nur wegen der allgemeinen Qualitätssteigerung, die sich ganz allgemein seit der Jahrtausendwende manifestiert, sondern auch als Folge der extremen Diversifizierung des Angebots.»


Eric Lüthi

«Unter den Weissen des Jahrgangs 2015 aus der Schweiz gab es mehrere feine «Sachen». Ein sehr schöner Jahrgang! Fehler gab es kaum, auch bei den Rosés nicht. – Einmal mehr zeigte sich, dass die Arbeit des Gruppenchef für die Beurteilung der Weine von entscheidender Bedeutung ist. Und dieses Jahr lief es geradezu fantastisch: Eine klare Linie war zwar vorgegeben, zugleich war er aber immer kompromissbereit, sofern es dafür gute Gründe gab.»


Franco Pedol

«Ich bin durchwegs positiv überrascht von der hohen Qualität sowie der grossen Vielfalt der Schweizer Rotweine, die ich an der IWPZ erstmals degustieren konnte. Insbesondere überzeugten uns im Jury-Team auch rote Spezialitäten wie zum Beispiel hervorragende Syrah oder Diolinoir.»


Martin Rauh

«Das Angebot wird immer homogener, sowohl was das Qualitätsniveau betrifft als auch die Typologie. Erstaunt bin ich über die zahlreichen Spanier, die wir wegen Korken nachreichen lassen mussten.»


Hermann Schwarzenbach

«Dieses Jahr ist mir speziell aufgefallen, dass viele Pinot noir zu früh auf die Flasche gefüllt wurden – sei es aus Not oder wegen des Wettbewerbs. Ein Pinot noir 2014 hat gezeigt, dass Zeit Gold bringt. Zudem scheint mir in einigen Kellern der Böckser zurückzukehren.»


Michel Blanche

«Obwohl es bei den Schweizer Weissweinen ebenso wie bei den Spezialitäten kaum fehlerhafte Proben resp. negative Ausreisser gab, ist eine sehr schöne Differenzierung festzustellen. Offensichtlich segeln unsere Produzenten noch nicht auf der Welle der Standardisierung.»


Andreas Candrian

«Was sich gegenüber den Anfängen verändert hat? Fast alles. Die Weinbeurteilung und auch die Organisation waren grösstenteils individuell, subjektiv und überwiegend amateurhaft. Heute wird weitgehend professionell degustiert. Die Team- Zusammensetzung wie auch die Zusammenstellung der Wein-Serien sind optimal. Und schliesslich ist die Arbeit für alle Degustatorinnen und Degustatoren eine Bereicherung.»


Erika Fürst

«Für mich war die IWP eine Première. Nicht nur bei der Degustation und den Diskussionen in der Gruppe, sondern auch in den Gesprächen mit Kollegen konnte ich sehr viel dazu lernen. Begeistert bin ich von der perfekten Organisation. Überzeugt haben mich etliche sehr schöne Chasselas und Chardonnay. Nicht ganz warm geworden bin ich bei den Pinot gris.»


Michaela Gabriel

«Gerade unter den Rotweinen aus der Neuen Welt sind die Standardtypen zahlreich. Es war deshalb sehr anspruchsvoll, in diesem Bereich Differenzierungen zu erarbeiten. – Ich war zum ersten Mal an der IWPZ mit dabei. Was mich vor allem beeindruckte, war die perfekte Organisation und die tolle Gemeinschaft der Degustatoren.»


Marie Linder

«Vor allem bei den Weissen zeigte sich, dass der Jahrgang 2015 in der Schweiz grossartig ist. Das Qualitätsniveau der zum Concours eingereichten Schweizer Weine, namentlich der Weissweine, ist nach meiner Meinung deutlich gestiegen. Sie sind ausdrucksstarker, klarer profiliert als früher.»


Reynald Parmelin

«Sehr interessant war für mich die Möglichkeit, vertikal die Schweizer Rotweine der Jahrgänge von 2015 bis 2011 vergleichen zu können. Die 2015er waren natürlich alle noch sehr jugendlich und präsentierten sich entsprechend. Der Jahrgang 2013 ist super! Die Weine sind kräftig, ausgewogen, fruchtig und von schöner Struktur. Es zeigte sich in mehreren Fällen auch, dass sich der Jahrgang 2013 sehr gut für den Ausbau in der Barrique eignete. Diese Weine werden in den nächsten Jahren ihre ganze Grösse zur Entfaltung bringen.»


Daniel Pulver

«Besonders spannend war dieses Jahr für mich bei der Degustation der trockenen Schweizer Weissweinen die intensive Auseinandersetzung mit der seltenen Sorte Savagnin. Sehr unterschiedliche Varianten dieser echten Rariät wurden uns präsentiert: Die frischen Typen kamen blumig-fruchtig daher oder fein-elegant, ausgestattet mit guter Säure. Bei den reiferen Typen dominierten Honignoten. Auch alkoholreiche, schwere Exemplare waren darunter. – Bei den Süssweinen gingen die Meinungen in der Gruppe recht stark auseinander. Das für die Wertung entscheidende Säure-Süsse-Verhältnis wird sehr unterschiedlich beurteilt.»


Robert Schlag

«Der mittlere und der obere Qualitätsbereich sind heute stärker präsent als früher. Dies ist nicht zuletzt eine Folge des wachsenden Interesses der Retailer an der IWPZ. Es ist darum für die Degustatoren nicht leichter geworden, die echten Perlen zu finden.»